Glamping in den Bergen

Bei dieser Aussicht fällt es wirklich leicht, einen netten Bericht über unseren Aufenthalt zu schreiben. Mehr noch: Eigentlich beschreibt der Blick unseren Aufenthalt schon ziemlich gut – spektakulär, entspannt, ein wenig abenteuerlich und ganz weit weg vom Alltag.

Wir sind bekennende Freunde des Glampings. Campingurlaub? Sehr gerne. Auf ein bequemes Bett, eine warme Dusche und ein richtiges Badezimmer möchten wir dabei allerdings nur ungern verzichten.


Camp Nivica liegt im Süden Albaniens, direkt am Rand der Nivica-Schlucht und gegenüber dem gleichnamigen Bergdorf. Statt eines großen Campingplatzes erwarten die Gäste lediglich sechs geräumige Safarizelte mit Betten, eigener Veranda und privatem Bad. Das Wasser stammt aus einer Bergquelle, die Energie wird mit Solarpaneelen erzeugt – Naturverbundenheit gehört hier zum Konzept. Frühstück und Abendessen werden serviert, es gibt eine täglich geführte Aktivität sowie einen Transfer vom Dorf zum Camp: eine Art komfortables Rundum-sorglos-Abenteuer mitten in den Bergen.

Mit dem Defender durchs Gewitter

Wir erreichen Nivicë am Nachmittag und stellen dort unseren Wagen ab. Die letzten Kilometer zum Camp führen über eine ziemlich holprige, nicht asphaltierte Offroad-Piste. Mit einem normalen Mietwagen kann man diese Strecke nicht fahren – muss man aber auch nicht. Wir werden im Dorf abgeholt und steigen samt Gepäck in einen Defender.

Beim Einsteigen frage ich mich, aus welchem Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts das Auto wohl stammt. Das Handschuhfach gleicht einer Werkzeugkiste.

Leider zieht bei der Anfahrt ein Gewitter auf. Als der Regen während der Fahrt stärker wird, möchte ich das Fenster hochkurbeln – kann aber keine Kurbel zu finden. Unser Fahrer steigt aus, greift in sein Werkzeughandschuhfach und zaubert tatsächlich die passende Fensterkurbel hervor. Solche Kurbeln kenne ich noch aus meiner Kindheit – damals waren sie allerdings fest an der Tür montiert.

Passend zur Anreise eines „Zeltlagers“. Dabei wollte ich doch nicht mehr im Regen zelten.

Die Wolken ziehen jedoch zum Glück schnell weiter. Nach ungefähr einer Stunde scheint wieder die Sonne. Wir beziehen unser Zelt, die Aussicht ist spektakulär.


All In mit persönlicher Note

Im Camp ist sozusagen alles inklusive, jedenfalls alles, was wir hier brauchen. Zum Paket gehören Frühstück, Abendessen und tägliches Programm. Es gibt eine kleine Bar mit einem gemütlichen Essbereich und die „Panorama-Lounge“.

Durch die Schlucht ins Dorf

Für den nächsten Morgen ist eine geführte Wanderung durch die Schlucht ins Dorf geplant. Am Abend zuvor schauen wir noch hinüber nach Nivicë und sind uns ziemlich sicher: Dort kann man unmöglich zu Fuß hinkommen, aber es geht.


Die Nivica-Canyons erstrecken sich über etwa acht Kilometer und sind stellenweise bis zu 200 Meter tief. Steile Kalksteinwände, kleine Höhlen und saisonale Wasserfälle prägen diese wilde Karstlandschaft. Unsere Canyon-Runde ist  sieben Kilometer lang – eine abwechslungsreiche Tour durch ein ausgetrocknetes Flussbett und entlang des Canyon-Rand.


Am Ende erreichen wir Nivicë und durchqueren die Ruinen der alten Burg. Das Dorf liegt auf einem rund 850 Meter hohen Plateau, das auf drei Seiten von steilen Felsabbrüchen geschützt wird. Die Festungsreste werden teilweise auf das 4. bis 2. Jahrhundert vor Christus datiert; archäologisch ist der große Ruinenkomplex bis heute noch nicht vollständig erforscht. Wer zwischen den alten Mauern hindurchgeht, läuft also nicht nur zurück ins Dorf, sondern gleichzeitig durch mehr als zwei Jahrtausende Geschichte.

Der stand ziemlich lange da. Hoffentlich ist die Milch nicht sauer geworden

Berge ohne Trubel

Nach der Wanderung kehren wir ins Camp zurück. Wir essen gemeinsam mit den anderen Gästen, genießen am Lagerfeuer unter einem fantastischen Sternenhimmel ein Gläschen Wein.


Camp Nivica ist ein wunderbarer Ort zum Runterkommen und Entspannen. Besonders erstaunlich finden wir den Unterschied zum touristischen Norden Albaniens. Die Berge dort sind ebenso eindrucksvoll, aber vielerorts inzwischen von erstaunlich vielen Menschen besucht. Hier dagegen erleben wir eine fast vollkommene Ruhe.

Die Landschaft ist nicht weniger spektakulär – man muss sie nur mit deutlich weniger Menschen teilen.

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