Kerry kennen wir aus dem Kühlregal. Die Butter von Kerrygold gilt als besonders hochwertig, weil die Kühe nahezu das ganze Jahr auf der Weide grasen können. Sie geben dann zwar weniger Milch, aber diese ist besonders schmackhaft.
Um die Region Kerry kennenzulernen, haben wir uns in Killarney eingemietet. Der Ort ist ein bekannter Touristenort, unter anderem weil er am „Ring of Kerry“ liegt, eine Panoramastraße, die kreisförmig durch die Region führt.

Wir wollen Kerry auf dem Wasser kennenlernen und starten unsere Kerry-Entdeckung mit einer Kajaktour auf dem Lough Leane, dem größten der drei Killarney See. Begleitet werden wir von zwei Tourguides, die auch noch die eine oder andere Geschichte über die Region parat haben.


Ross Castle wurde beispielsweise zur Ruine, weil im Mittelalter eine sogenannte Dach-Steuer eingeführt wurde. Für jedes Gebäude mit Dach fiel eine Steuer an. Deshalb wurde das Dach kurzerhand entfernt. Inzwischen gibt es steuerfrei ein neues Dach.

Wir halten an einem kleinen Felsen, der in vergangenen Zeiten als Gefängnis diente. Es heißt, dass ein Clan-Häuptling von Ross Castle seinen ungehorsamen Sohn auf diesem Felsen „einsperrt“. Eventuell könnte es sogar unter dem dichten Wuchs Überreste einer Arrestzelle geben. Man kann dazu jedoch nichts Genaues sagen, eine archäologische Untersuchung gab es noch nicht und die Insel darf aus naturschutzlichen Gründen nicht betreten werden. Es gibt auch Überlieferungen, die von einem Ort der Buße sprechen. Wer den Sprung ins Ungewisse wagte und es bis zum Ufer schaffte, hatte sich im Wasser reingewaschen.

An Land gehen wir auf der Insel Innisfallen. Ganz früher beherbergte die Insel Lepra-Kranke, die von Mönchen gepflegt wurden. Als niemand mehr an Lepra erkrankte, blieben die Mönche. Sie betrieben nun keine Krankenpflegestation mehr, sondern eine Schule. Aufgrund diverser Überfälle durch die Wikinger kehrten die Mönche irgendwann der Insel den Rücken zu. Statt ihnen leben heute Hirsche und Rehe dort. Sie schwammen in einem besonders kalten Winter zur Insel, um dort frisches Gras zu suchen. Sie wurden fündig und waren gekommen, um zu bleiben. Bei unserem kurzen Aufenthalt auf der Insel können wir sogar einen Blick auf einen tierischen Bewohner erhaschen.




Innesfallen ist auch ein Ort der irischen Mythologie. Man spricht von der verzauberten Insel. Nur wer mit reinem Herzen kam, konnte Innesfallen sehen und betreten. Wer aus Habgier oder Neugier kam, sah nur Wasser oder dichten Nebel.

Auf der Insel steht auch ein Weißdornbaum. Der Weißdorn ist eng mit Übergängen verbunden – zwischen Frühling und Sommer (er blüht im Mai) und zwischen der menschlichen und der Feenwelt. Man glaubte, dass es großes Unglück bringt, einen solchen Baum zu fällen oder zu beschädigen. Es gibt viele Berichte, dass Straßen oder Bauprojekte um einzelne Weißdornbäume herumgeleitet wurden, weil niemand den „Feenbaum“ anfassen wollte. Selbst moderne Bauarbeiter sind oft vorsichtig, wenn ein alter Weißdorn im Weg steht.


Obwohl die Sonne schien, wehte ein kräftiger Wind, die Wellen auf dem See waren erstaunlich hoch, aber irgendwie machte es doppelt Spaß, wenn das Wasser beim Paddeln so richtig hochspritzte.


Auf Empfehlung der Tourguides wandern wir nachmittags noch zu den O‘Sullivan‘s Cascaden. Der Wasserfall trägt in der lokalen Folklore den Beinamen Whiskey-Wasserfall. Einer Legende nach soll früher kein Wasser, sondern Whiskey geflossen sein. Mit der Invasion der Engländer versiegte jedoch die außergewöhnliche Whiskey-Quelle.




Ring of Kerry
In Kerry könnte man sicherlich einen gesamten Urlaub verbringen. Wir haben nur zwei Tage. Deshalb nehmen wir uns den „Ring of Kerry“ vor, eine Panoramastraße, die mehr oder weniger eine Runde rund um Kerry dreht.
Wir starten bei Sonnenschein, aber schon beim ersten Stopp nach nur wenigen Minuten regnet es. Schade, denn die sogenannte Ladys View soll eine grandiose Aussicht bieten. Die Hofdamen von Queen Victoria kamen einst hier hin und waren so begeistert vom Panorama, dass der Ort fortan „Ladys View“ genannt wurde.


Beim nächsten Aussichtspunkt halten wir nur kurz, weil es nass bleibt. Weiter geht es nach Kenmare, was aus dem Gälischen „An Neidin“ frei übersetzt „Kleines Nest“ bedeutet. Für irische Verhältnisse ist der Ort jedoch überraschend groß. „Kleines Nest“ hätte zu den Orten in den Wicklow Mountains besser gepasst. Das war oft eine Kreuzung mit fünf Häusern und einem Pub.

Ein bisschen außerhalb liegt ein Steinkreis, den wir uns noch anschauen. Laut einer Legende sollen die Steine verzauberte Krieger sein. Es müssen wohl kleine Krieger gewesen sein, denn im Vergleich zu englischen oder schottischen Steinkreisen enttäuscht die Größe der Steine ein bisschen. Dafür sind die Wunschbäume neben dem Steinkreis beliebt. Natürlich dürfen unsere Wünsche da nicht fehlen.




Weiter geht es zum Staigue Stone Fort, eine Runde Trockenmauer aus dem 3. Jahrhundert. Wahrscheinlich residierte hier einst ein lokaler Häuptling. Zudem könnte der Ort ein Schutz- und Versammlungsort gewesen sein. Auf der Innenseite der Mauer gibt es Stufen, sodass man bequem auf die Mauerkrone kommt.

Viele Jahre glaubten die Menschen, das Fort müsse von Riesen erbaut worden sein. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, wie von Menschenhand und ohne Mörtel eine solche Mauer hätte gebaut werden können. Vielleicht hat auch die Magie der Druiden geholfen.

Zur Mittagszeit steht ein Strandspaziergang an. Das Internet spricht vom schönsten Strand Irlands. Ob das tatsächlich stimmt, wissen wir nicht, aber schön ist es hier.











Nach einer kleinen Stärkung in einem typisch irischen Café fahren wir noch zu den Klippen von Kerry. Obwohl die Klippen von Moher berühmter sind, schwören viele Einheimische auf die Kerry Klippen. „The Kerry Cliffs are higher, wilder, and far less crowded.“ Die Cliffs of Moher stehen noch auf unserem Plan, wir sind gespannt.


Ein beeindruckender Ort sind die Klippen auf jeden Fall. Es stürmt, sodass der Atlantik mit voller Wucht gegen die Felsen schlägt, ein faszinierendes Naturschauspiel. Beeindruckend ist auch die Vorstellung, dass das andere Ufer dieses großen Teichs Amerika ist.


Eine wunderbare Kneipenkultur gibt es in Killarney auch. Für einen Absacker ist unsere Urlaubsadresse auf der Main Street genau richtig. Überall wird Live-Musik gespielt – es ist schön, auf diese irische Art die Tage ausklingen zu lassen.
Heute verlassen wir Kerry und fahren weiter in die Region Clare.

Allerdings fahren wir einen Umweg über Dingle, um eine Distellerie zu besichtigen.

Dingle Whiskey wird seit 2012 produziert. Die Gründer waren früher in der Craft-Bier-Herstellung erfolgreich tätig und wollten nach ein paar Jahrzehnten nochmal etwas Neues wagen.

Mit Gerste kannte man sich schon aus. Und so beschloss man, einen Whiskey zu machen. Die Herstellung dauert mindestens drei Jahre. Zur Finanzierung der erheblichen Investitionen wurden zum einen vorab Fässer verkauft. Zum anderen musste ein Alkohol der schnellen Herstellung her. Deshalb gibt es auch Dingle Gin und Dingle Wodka.

Auf dieser Wand sind die Namen der Fassverkäufer verewigt.

Johnny Walker gehört auch dazu. Mit dem Whisky hat dieser Johnny allerdings nichts zu tun. Dieser Johnny Walker ist ein australischer Geschäftsmann, den einer der Gründer in New York kennenlernte. Er überzeugte Johnny, dass er mit diesem Namen ein Fass kaufen müsse.

Eine Besonderheit der Single Distillery ist, dass es keine Metall- sondern ausschließlich Holzfässer für die Gärung benutzt werden. Das soll dem Whiskey einen einzigartigen Geschmack geben, ist aber auch mehr Arbeit, weil zum Beispiel für die Reinigung keine Maschinen zum Einsatz kommen können.

Für zu Hause wollten wir eine Flasche Dingle Whiskey mitnehmen, aber das war nicht möglich. Im Supermarkt würden wir fündig oder noch besser: Zu Hause in Deutschland, weil bei uns die Alkoholsteuer niedriger ist.

Beim Besuch der Dingle Distillery haben wir uns auch in eine alte lokale Tradition eingekleidet: die charakteristischen Strohhüte des Wren’s Day. Am 26. Dezember ziehen im Städtchen Dingle die sogenannten Wren Boys in solchen Kostümen durch die Straßen, begleitet von Musik, Tanz und viel Lebensfreude. Diese tief verwurzelte Folklore findet sich auch im Logo der Dingle Distillery wieder – die markante Figur mit Hut und erhobenem Glas ist eine Hommage an diesen einzigartigen Brauch. So verbindet sich die Kultur des Ortes direkt mit dem Whiskey, der hier entsteht.
Die Grenze zum nächsten County liegt mitten im Fluss Shannon. Wir fahren also mit der Fähre nach Clare.


No responses yet