Als unsere Base für die Südküste wählen wir eine Unterkunft zwischen Selfoss und Vik. Der Betreiber des Gästehauses teilte uns in der Anreisebeschreibung mit, dass die nächste Möglichkeit, Lebensmittel zu kaufen 40 km entfernt sei. Das sagt eigentlich alles. Wir wohnen buchstäblich in der Pampa. Dafür liegt der Sólheimajökull vor der Haustür.

Der Sólheimajökull ist eine beeindruckende Gletscherzunge, an der Eis und vulkanische Asche aufeinandertreffen. Die Isländer vergeben ihre Namen oft beschreibend. Jökull ist das isländische Wort für Gletscher, Sólheima heißt frei übersetzt das Zuhause der Sonne. Warum das Zuhause der Sonne verstehen wir nicht wirklich, denn heute regnet es. Vielleicht ist die Sonne einfach zu Hause geblieben, sprich im Innern des Eises.
Hier am Sólheimajökull kann man verschiedene Gletscher-Touren buchen. Wir entscheiden uns für eine Kajak-Tour auf dem Gletscher-See. Dies ist erst seit ein paar Jahren möglich, da es die Lagune erst seit kurzem gibt. Der beste Beweis für den Klimawandel. Die Tour an sich war beeindruckend.


Wir sind zusammen mit unserer Tourguide alleine in der Lagune, können relativ nah an den Gletscher fahren und anschließend durch kleine Eisberge navigieren. Ein tolles Erlebnis, den Gletscher aus der „Entenperspektive“ zu entdecken.





Anschließend machen wir uns auf den Weg zu einer Klippe mit einem Leuchtturm. Ein Highlight sind die vielen Papageientaucher, die hier nisten. Auf einem schönen Küstenweg geht es weiter bis zu einer großartigen Aussicht auf einen schwarzen Strand.





Heute morgen beim Frühstück meinte ein Gast, er und seine Frau wären nun am Ende der Reise und könnten keine Wasserfälle mehr sehen.

So weit sind wir noch nicht. Wir fahren zum nahegelegenen Skodarvoss und unternehmen von dort eine Wasserfallwanderung.

Nach einem Foto am Skodarvoss müssen wir zunächst 500 Treppen bezwingen, um auf den Weg zu kommen. Die Anstrengung lohnt, denn auf 3 Kilometer warten 10 Wasserfälle auf uns. Hinter jeder Kurve fallen neue Wassermassen herunter.





Wir treffen sogar Odin.

Leider ist auch heute die Sonne in Solheima, also zu Hause geblieben, wo auch immer das sein mag. Es regnet. Aber: es gibt ja kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Wir packen also die Regenklamotten aus und machen uns auf den Weg zu einem Flugzeugwrack am schwarzen Strand.

Eine US-Navy-Maschine vom Typ Douglas C-117D (eine militärische Variante der DC-3) musste hier im November 73 wegen starker Vereisung notlanden. Alle sieben Crewmitglieder überlebten. Das Flugzeug verrottet langsam und ist mit den Jahren zu einem beliebten Foto-Stopp geworden. Das Foto muss man sich allerdings verdienen. Der Weg dorthin führt knapp 4 km über ein schwarzes Lavafeld. Wir wollten nicht glauben, dass es wirklich 4 km sind, aber der Weg zieht sich sehr, besonders bei Wind und Regen. Mystische Fotos gab es am Ende dann doch.




Und Christian entdeckt etwas ganz besonderes.

Der Regentag gestern war okay, aber bei schönem Wetter macht es doch mehr Spaß, die Insel zu erkunden. Deshalb fragen wir beim Frühstück unsere Gastgeberin, wie denn das Wetter den Tag über werden soll, da es erneut regnet. Sie meinte, wir sollten Richtung Osten fahren. Da wäre das Wetter schön. Gesagt getan. Tatsächlich erwartet uns Sonne und blauer Himmel.

Auf dem Programm stand heute eine Schlucht, die unter anderem als Filmkulisse für Game of Thrones diente. Leider kann man nicht durch die Schlucht wandern, sondern nur von oben reinschauen. Die Aussicht ist jedoch spektakulär.



Anschließend machen wir uns, wie schon die Tage zuvor, auf den Weg zu einem Wasserfall. Diesmal nur ein kleiner. Von dort aus unternehmen wir eine kleine Wanderung zu einem Stausee oben auf dem Berg.

Auf einem Höhenplateau mit Traumaussicht wandern wir über die leider noch braunen Wiesen, um durch das Dorf zurück zum Parkplatz zu kommen.

Dann treten wir den Rückweg an, der heute etwas länger ausfällt, weil wir morgens ja dem Regen entflohen sind. Nahe unserer Unterkunft ist das Wetter inzwischen ebenfalls besser, sodass wir noch einen Spaziergang zu einem Naturschwimmbad unternehmen.

Seljavallalaug wurde 1923 erbaut und ist eines der ältesten und geschichtsträchtigsten Schwimmbäder Islands. Gelegen in einem malerischen Tal südlich des Eyjafjallajökull, diente das 25-Meter-Becken ursprünglich dazu, Einheimischen das Schwimmen beizubringen.

Das Becken liegt eingebettet in moosbewachsene Berge mit zahlreichen Wasserfällen – eine wunderschöne Kulisse zum Schwimmen. Eigentlich, aber das Internet warnt vor Keimen. Deshalb verzichten wir aufs Baden, obwohl das Wasser angenehm warm gewesen wäre.



Besser haben als brauchen – meinten Freunde von uns, als es darum ging, ob wir für Island einen 4 x 4 Wagen mieten sollen oder nicht. Letztendlich entscheiden wir uns jedoch für 2 x 4, weil das Hochland im Mai ohnehin noch gesperrt ist und der Rest von Island auch ohne Allrad machbar ist. Dann besser ein paar Hundert Euro mehr in der Tasche haben, die wir gut gebrauchen können. Dennoch wollen wir auf ein Offroad-Erlebnis nicht verzichten. Wir buchen eine Tour im Katla Nationalpark. Dort wollen wir zwei Eishöhlen besichtigen.


Wie nah Feuer und Eis in Island beieinander liegen, zeigt sich am Katla in besonderer Art und Weise. Hier liegt der Vulkan unter einem Gletscher. Bei einem Ausbruch schmelzt die heiße Lava das kalte Gletscher-Eis. Es kommt zu einer Flutwelle. Kurz vorm Ort gibt es sogar eine Aufschüttung, sozusagen ein kleiner Damm, weil das Wasser den Häusern beim letzten Ausbruch bedenklich nahe kam.

Man sagt, in 100 Jahren bricht der Vulkan zweimal aus. Der letzte Ausbruch ist 107 Jahre her. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es in diesem Jahr den überfälligen Ausbruch gibt, aber vorher kommen wir in den Genuss, das Gebiet zu entdecken. Von der Ringstraße geht es in eine schwarze Lavalandschaft – die größte Wüste Europas. Die Raumschiff-Landung zu Beginn des Star Wars Films „The Rogue“ wurde hier gedreht. Man kommt sich tatsächlich vor, als wäre man in einer fremden Welt. Für den kurzen Aufstieg zu den Eishöhlen ziehen wir Mikro-Spikes über unsere Schuhe. Damit kann man auf dem Eis ganz normal laufen. Die Eishöhlen befinden sich in einem fortlaufenden Wandlungsprozess, weil der Gletscher stetig schmilzt. Eishöhlen entstehen grundsätzlich durch das Schmelzen des Gletschers, entweder durch Wasser oder durch Wind.


Heute können wir zwei Höhlen durchwandern, eine ist durch Wind entstanden. Deshalb sind die Wände wellenförmig. Die andere Höhle hat glatte Wände, sie ist durch einen großen Wasserstrom entstanden.
Zu etwas Besonderem werden die Eishöhlen durch das Einfallen des Tageslichts, das wie ein natürlicher Farbfilter wirkt.

Das Eis im Gletscher ist extrem dicht zusammengedrückt. Dadurch sind kaum Luftblasen im Eis eingeschlossen. Wenn Sonnenlicht hineinfällt, werden die roten und gelben Lichtanteile stärker „geschluckt“, während blaues Licht tiefer durch das Eis dringen und zurückgeworfen werden kann. Deshalb leuchten viele Bereiche intensiv blau. Die Farbe verändert sich zudem mit dem Licht von draußen: Wir hatten Glück, weil wir einen Sonnentag erwischt haben. Dann wirkt das Eis kräftig blau oder sogar türkis.

An bewölkten Tagen erscheinen die Wände eher silbrig oder milchig.
Tief im Inneren der Höhle wird es dunkler und das Blau wirkt satter und geheimnisvoller. In der Katla-Eishöhle kommt noch etwas Einzigartiges dazu: dunkle Schichten aus Vulkanasche vom Vulkan unter dem Gletscher. Diese schwarzen Linien bilden einen starken Kontrast zum blauen Eis und lassen die Farben noch intensiver erscheinen.




Nach der Tour wollen wir noch einen Strandspaziergang unternehmen.
Es ist auf jeden Fall ein breiter Strand, aber dass wir vom Parkplatz über zwei Kilometer laufen müssen, um überhaupt in die Nähe des Wassers zu kommen, hätten wir nicht gedacht. Letztendlich wagen wir es noch nicht einmal, bis zum Wasser vorzulaufen, weil die Wellen extrem hoch sind und wir gelesen haben, dass die Wellen hier sehr gefährlich sein können. Zudem zieht ein Sandsturm! auf. Tatsächlich kann hier auf Island der einfache Strandspaziergang zu einem Abenteuer werden.




Welcome-Drink in der nächsten Unterkunft, den wir sogar auf der Terrasse genießen können.


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