Nachdem wir den Norden Albaniens ausgiebig erkundet haben, fahren wir weiter nach Süden. Unser nächstes Ziel ist das Weingut Alpeta im kleinen Ort Roshnik bei Berat. Es liegt idyllisch zwischen sanften Hügeln, Weinbergen und Olivenhainen.

Die Geschichte des Familienbetriebs beginnt nach dem Ende des Kommunismus. 1991 erhält die Familie Fiska 3,4 Hektar Land zurück. Vater Beqir Fiska, ein ausgebildeter Agronom, bepflanzt die Flächen mit Weinreben. Ab 1994 produziert die Familie erste kleine Mengen Wein und Raki. Der Name Alpeta setzt sich aus den ersten beiden Buchstaben der Vornamen seiner drei Söhne Alfred, Petrit und Tahir zusammen: AL-PE-TA.

Heute gehören zum Weingut auch ein Restaurant und ein Gästehaus. Nachdem Albanien 2018 die Voraussetzungen für zertifizierten Agrotourismus geschaffen hatte, erhielt Alpeta 2019 als erster Betrieb des Landes ein entsprechendes Zertifikat. Daher trägt das Weingut bis heute stolz die Nummer eins.

Zu einem Aufenthalt auf einem Weingut gehört natürlich auch eine Verkostung. Die Tour beginnt mit einem Spaziergang durch die Weinberge. Anschließend besichtigen wir die Raki-Destillerie und erfahren mehr über die Herstellung. Danach probieren wir einen Weißwein, einen Rosé und einen Rotwein sowie verschiedene Sorten Raki. Besonders gut schmeckt uns der Raki, der im Eichenfass reift.



Albanischer Raki ist mit italienischem Grappa oder deutschem Tresterbrand verwandt. Alpeta verwendet für seinen Raki allerdings frische Trauben und keinen Kelterabfall.

Die Verkostung ist eine kleine Zeremonie. Ein sogenannter Dollibash spricht die Trinksprüche aus. Unterstützt wird er von einem „Sekretär“, der für Ruhe am Tisch sorgt und am Ende ein Lied aus seiner Heimat singen muss. Unser Sekretär kommt aus den Niederlanden und stimmt ein holländisches Nikolauslied an. Weitere Niederländer sitzen am Tisch, die das Lied sofort erkennen und begeistert mitsingen.
Während der Dollia-Zeremonie hat der Sekretär noch eine weitere wichtige Aufgabe: Er achtet darauf, dass niemand den Raki mit Wasser verdünnt. Das ist bei absolut tabu. Wer den kräftigen Schnaps etwas milder machen möchte, hat also keine Chance – der Sekretär behält jedes Glas genau im Blick.

Für vier Nächte quartieren wir uns bei Alpeta ein und sind froh, ein Ischönes Zimmer mit dieser tollen Aussicht zu haben.

Für den nächsten Tag nehmen wir uns nicht viel vor. Wir möchten einfach am nahe gelegenen See entspannen. Vom Hotel können wir kostenlos Kajaks ausleihen, sodass wir ein wenig über das Wasser paddeln oder zwischendurch ins kühle Nass springen. Viel los ist nicht – zeitweise haben wir den See sogar ganz für uns allein.


Albanische Kochschule
In Roshnik leben ungefähr 500 Menschen. Das Dorf ist klein und die Gastronomie scheint hier fest in Familienhand zu sein. Auf dem Weingut wird uns ein Kochkurs im Restaurant von Verwandten angeboten.

In einem privaten Kochkurs lernen wir mehrere typische albanische Gerichte kennen. Dazu gehört Fërgesë, die wir während unserer Reise bereits probiert haben. Nun erfahren wir, wie sie zubereitet wird. Außerdem machen wir eine Art Kartoffelpuffer. Käse und Knoblauch spielen bei fast allen Gerichten eine Rolle.
Albanischen Pie, einen Byrek, bereiten wir ebenfalls zu. Den Teig rollen wir mit langen, dünnen Holzstäben aus, die hier offenbar das deutsche Nudelholz ersetzen. Gefüllt wird der Byrek mit einem wilden Blattgemüse. Für uns sieht es aus wie Spinat und schmeckt auch ähnlich. Im Restaurant spricht man allerdings von Kohl, der in der Umgebung wild wächst. Ganz genau verstehen wir es nicht – lecker ist es trotzdem.



Nach dem Kochkurs wird der Tisch für uns gedeckt. Offenbar ist unsere Köchin der Meinung, dass die selbst zubereiteten Gerichte nicht ausreichen. Deshalb stellt sie noch einige weitere Speisen dazu. So genießen wir nicht nur unser gekochtes Essen, sondern auch alles, was zusätzlich für uns gekocht wurde. Es schmeckt hervorragend – und satt werden wir definitiv auch.



Anschließend unternehmen wir noch einen Spaziergang durchs Dorf und zum See. Den Tag lassen wir ganz entspannt mit einem Glas Wein ausklingen.

Auf dem Reifen durch die Osum Schlucht
Für unseren letzten Tag in der haben wir einen Ausflug zur Osum-Schlucht gebucht. Eigentlich hätten wir sie gerne mit dem Kajak erkundet. Dafür führt der Fluss zu dieser Jahreszeit jedoch zu wenig Wasser. Deshalb steigen wir auf große Reifen und lassen uns von der Strömung durch die Schlucht treiben.


Die Osum-Schlucht liegt in der Nähe der Stadt Çorovodë und gehört zu den eindrucksvollsten Naturdenkmälern Albaniens. Sie erstreckt sich über rund 26 Kilometer. Ihre steilen Kalksteinwände sind teilweise bis zu 80 Meter hoch. Entlang des Flusses gibt es Höhlen, Wasserfälle und ungewöhnliche Felsformationen zu entdecken.


Bekannt ist die Schlucht eigentlich für ihr kristallklares, blaugrün schimmerndes Wasser. Wir haben allerdings Pech: In der Nacht hat es geregnet. Dadurch ist der Flussgrund aufgewühlt und das Wasser eher schlammbraun als kristallblau.

Unserem Spaß tut das keinen Abbruch. Auf den Reifen treiben wir zwischen den hohen Felswänden hindurch und genießen die beeindruckende Landschaft. Auch mit braunem Wasser ist die Osum-Schlucht spektakulär – und unser Ausflug ein gelungener Abschluss unserer Zeit in Roshnik.
















Berat – Stadt der 1000 Fenster
Bevor wir die Region Berat verlassen, schauen wir uns noch die gleichnamige Stadt an. Ihr historisches Zentrum mit den Vierteln Mangalem, Gorica und dem Burgviertel gehört zum UNESCO-Welterbe. Die Burg thront hoch über dem Osum und geht in ihren Ursprüngen bis ins 4. Jahrhundert vor Christus zurück.

Bekannt ist Berat als „Stadt der tausend Fenster“. Ganz wörtlich ist dieser Name allerdings nicht gemeint. Die albanische Bezeichnung lässt sich eher mit „Stadt der übereinanderliegenden Fenster“ übersetzen. Die weißen Häuser wurden stufenförmig an den steilen Hang gebaut. Dadurch scheinen ihre vielen großen Fenster aus der Ferne direkt übereinanderzuliegen. Ihre Bedeutung ist vor allem architektonisch: Die regelmäßig angeordneten Fenster ließen möglichst viel Tageslicht in die traditionellen Wohnhäuser. Gemeinsam prägen sie bis heute das unverwechselbare Gesicht der Stadt.

Wir fahren mit dem Auto hinauf zur Burg, was vielleicht nicht die beste Entscheidung war. Die schmale, sehr steile Straße führt über holpriges Kopfsteinpflaster und kostet uns so manchen Schweißtropfen, vor allem den Fahrer.



Oben angekommen, schlendern wir durch die engen Gassen und genießen den weiten Blick über Berat und das Osum-Tal. Anschließend fahren wir zur Gorica-Brücke. Vom Fluss aus bestaunen wir noch einmal die alten, dicht am Hang stehenden Häuser – und verstehen sofort, warum Berat seinen berühmten Beinamen trägt.



Mercedes-Land Albanien
Auf Albaniens Straßen fällt uns auf: Mercedes ist das Auto der Wahl, auch die Fahrschule fährt deutsche Wertarbeit aus Stuttgart.

Besonders häufig sehen wir Modelle, die wir noch aus unserer Kindheit kennen. Während sie bei uns längst aus dem Straßenbild verschwunden sind, scheinen sie hier – wahrscheinlich aufgrund der guten Pflege – noch einwandfrei zu fahren. Christian hat dafür auch Erklärung: Die Albaner nutzen einfach das Angebot „Kaufe drei und mache einen daraus“.

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