Zwischen Papageitauchern und Buckelwalen – unterwegs in der Walhauptstadt Islands

Aktuell sind wir in Húsavík – der Walhauptstadt Islands. Da muss eine Walbeobachtung einfach sein.

Für unsere Tour haben wir uns bewusst für ein RIB-Boot entschieden – und das können wir absolut empfehlen.

Amma heißt Oma, aber die alte Lady hat 800 PS Feuer

Die kleinen, schnellen Boote haben einen großen Vorteil: Sie sind unglaublich flexibel. Sobald irgendwo am Horizont die typische Sauerstofffontäne eines Wals auftaucht, kann der Kapitän sofort Kurs aufnehmen und binnen kürzester Zeit dort sein.

Unser erster Halt führte uns allerdings zunächst zur berühmten Puffin Island, der kleinen Insel vor der Küste, auf der unzählige Papageitaucher brüten. Aus der Nähe sich am Abend ausruhen konnten wir die Clowns des Meeren bereits im Osten erleben. Auf dem Wasser ist Action angesagt.

Die kleinen Vögel wirken mit ihren bunten Schnäbeln niedlich und etwas tollpatschig, wahrscheinlich auch, weil sie recht rundlich sind. Was ihnen an Leichtigkeit fürs Fliegen fehlt, gleichen sie mit einer beeindruckenden Technik aus: einem extrem schnellen Flügelschlag. Genau das konnten wir wunderbar beobachten.
Wenn die Papageitaucher vom Wasser starten, sieht es fast so aus, als müssten sie erst Anlauf nehmen. Sie schlagen hektisch einige Male mit den Flügeln auf der Wasseroberfläche, tapsen beinahe darüber hinweg – und plötzlich heben sie ab und schießen erstaunlich schnell durch die Luft. Genauso schnell sollen sie übrigens unter Wasser sein.

Papageitauchern wurde es Zeit für die eigentlichen Stars der Bucht: die Wale.
Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis wir den ersten Buckelwal entdeckten. Erst nur eine Fontäne am Horizont.

Dann ein dunkler Rücken, der langsam durch die Wasseroberfläche glitt.

Und schließlich diese gewaltige Schwanzflosse, die elegant im Meer verschwand.

Die Bedingungen rund um die Skjálfandi-Bucht sind für Wale besonders günstig. Hier treffen kalte, nährstoffreiche Strömungen aufeinander, wodurch enorme Mengen an Plankton und kleinen Fischen entstehen – das perfekte Buffet für Buckelwale und andere Meeressäuger.

Dazu kommt die geschützte Lage der Bucht und der schnell abfallende Meeresboden vor der Küste, der zusätzlich viele Nährstoffe nach oben bringt. Kein Wunder also, dass sich die Wale hier so wohlfühlen.

Begleitet wurde die Tour vom perfekten Team.
Da war zum einen der Isländer mit seiner Odin-Mütze – ein Mann, der das Meer und „seine“ Bucht offenbar besser kannte als jede Landkarte. Und dann war da noch unser zweiter Guide: ein redegewandter Portugiese – perfekt zur Überbrückung der Wartezeiten. Wen die Wale abtauchen versorgte er uns mit Geschichten und Fakten rund um die Tiere. Bis zu 30 Minuten könnten die Tiere übrigens unter Wasser bleiben.

Zum Glück meinten es die Wale an diesem Tag gut mit uns. Statt einer halben Stunde mussten wir meistens nur sieben oder acht Minuten warten, bis irgendwo wieder eine Fontäne auftauchte oder ein dunkler Rücken die Wasseroberfläche durchschnitt.

Und noch ein schöner Zusatz für alle, die nach der Tour ein bisschen tiefer in die Welt der Wale eintauchen möchten:
Es gibt tatsächlich eine Art „Facebook für Wale“ – nämlich happywhale.com⁠�.
Dort kann man Fotos von Walbeobachtungen hochladen. Besonders wichtig ist dabei ein gutes Bild der Schwanzflosse. Denn genau wie ein Fingerabdruck bei Menschen ist die Unterseite der Fluke bei jedem Buckelwal einzigartig. Form, Kerben und Muster ermöglichen eine eindeutige Identifikation.
Wir haben das natürlich direkt ausprobiert und ein Foto der Schwanzflosse unseres Buckelwals hochgeladen. Kurz darauf bekommt man per E-Mail die Information, welchen Wal man gesehen hat – inklusive weiterer Sichtungen aus anderen Teilen der Welt.

Plötzlich wird aus einer einzelnen Begegnung eine richtige Geschichte: Man erfährt, wann und wo dieser Wal schon einmal gesichtet wurde und welche gewaltigen Strecken er durch den Nordatlantik zurückgelegt hat. Eine wirklich faszinierende Idee – und eine schöne Möglichkeit, die Erinnerung an die Begegnung mit diesen Tieren noch lange lebendig zu halten.

Wir haben Polini gesehen

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