Islands Norden bei Husavik

Den Osten zu verlassen, fällt uns nicht allzu schwer, da es in Strömen regnet. Ein Blick auf den Regenradar zeigt, dass es ausschließlich im Osten regnen soll. Deshalb hoffen wir, dass unser Stopp an einem Canyon weit genug westlich sein wird. Ganz hat das nicht geklappt, aber hier gab es zumindest nur noch mäßigen Regen. Angehalten haben wir am Studlagil.

Die Schlucht ist eine beeindruckende Steinlandschaft: Gewaltige Basaltsäulen rahmen den grünlich schimmernden Gletscherfluss und lassen die Schlucht beinahe surreal wirken. Lange Zeit war der Canyon kaum bekannt, da er erst nach dem Bau eines Wasserkraftwerks sichtbar wurde, als der Wasserstand sank.

Am Morgen geht es zum Dettifoss.
Der Wasserfall stürzt in die Schlucht der Jökulsá á Fjöllum und erzeugt dabei ein Dröhnen, das man schon lange vor dem ersten Blick auf die Wassermassen hört.

Besonders beeindruckend: Das Wasser erreicht beim Fall Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. Zwischen dem aufsteigendem Sprühnebel und den schwarzen Basaltformationen erlebt man hautnah die raue Landschaft Islands.

Anschließend fahren wir zu einem Thermal Feld.

Námaskarð wirkt wie ein Ort, an dem die Erde noch unfertig ist. Zwischen dampfenden Erdspalten, zischenden Fumarolen und blubbernden Schlammlöchern zeigt Island hier seine vulkanische Kraft.

Der Geruch nach faulen Eiern liegt schwer in der Luft, überall steigt heißer Dampf aus dem Boden. Einzig und allein ein paar Außerirdische fehlen in dieser Umgebung. Während wir über die geothermalen Felder liefen, fühlte es sich an, als würden wir der Erde direkt beim Kochen zuschauen.

Es ist keine Überraschung, dass es in der Nähe weitere Vulkanegibt. Am Hverfjall kann man sogar entlang des Kraters spazieren. Zudem genießen wir einen schönen Blick auf den nahen Myvatnsee.

Zum Tagesabschluss geht es zum Lavafeld Dimmuborgir.

Zudem ist der Ort tief mit der isländischen Mythologie verbunden. Der isländischen Folklore nach Leben hier die 13 Weihnachtsgesellen, die „Jólasveinar“. Bis heute stellen Kinder in Island in den 13 Nächten vor Weihnachten ihre Schuhe ans Fenster: Wer brav war, findet kleine Geschenke darin — wer unartig war, manchmal nur eine Kartoffel. Zwischen den dunklen Lavaformationen konnte man sich sofort vorstellen, wie die trollartigen Gestalten hier irgendwo zwischen Höhlen und Felsen zuhause sind.


Von Husavik fahren wir unter anderem zur hufeisenförmige Schlucht Ásbyrgi. Der Legende nach entstand die Form, als Sleipnir, das achtbeinige Pferd Odins, mit einem Huf den Boden berührte. Wer heute am Rand der steilen Basaltwände steht, versteht sofort, warum sich solche Geschichten entwickelt haben.

Die Wissenschaft erzählt allerdings eine noch dramatischere Geschichte: Vor mehreren tausend Jahren rasten gewaltige Gletscherfluten vom Vatnajökull durch die Landschaft und rissen die riesige Schlucht aus dem Lavagestein. Die Dimensionen sind beeindruckend – und von oben besonders gut zu erkennen.

Unsere Wanderung begann mit einem durchaus anspruchsvollen Einstieg über steile, teils seilgesicherte Passagen.

Danach führte der Weg spektakulär am Rand der Schlucht entlang – mit ständig wechselnden Ausblicken auf die dunklen Felswände, die weite Ebene und die stille, fast mystische Landschaft darunter.

Wir hoch die Felswände sind, wird deutlich als wir später die Klippen nochmal von unten betrachten.

Nach der Wanderung geht es zur Entspannung in die Therme Geosea. Mit großartiger Sicht auf die sonnenbeschienen schneebedeckten Berge relaxen wir im badewanne-warmen Wasser.

Abschließend fehlt noch die sogenannte Hauptstadt des Nordens: Akureyri. Wir lassen es ganz entspannt angehen: ein bisschen durch die kleinen Straßen gebummelt, hinauf zur markanten Kirche gestiegen und anschließend eine Runde durch den hübschen botanischen Garten gedreht.

Ein typisches Touristenfoto und eine Kaffeepause mit Zimtschnecke und Cappuccino haben wir den Vormittag perfekt gemacht.

Nach ein ein, zwei Stündchen hatten wir dann allerdings auch schon das Gefühl, das Wichtigste der Stadt gesehen zu haben. Deshalb ging es für uns weiter zur Forest Lagoon, wo wir den restlichen Nachmittag wunderbar entspannt im warmen Wasser verbracht haben.

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