Komani See und Shala River mit Haus am See

Von Shkodra aus wollen wir den Komani-See und den Shala River erkunden. Dafür haben wir uns eine ganz besondere Unterkunft ausgesucht: ein Haus am See, das nur mit dem Boot erreichbar ist. Das klang nach einem kleinen Abenteuer – und wie sich herausstellen sollte, begann dieses Abenteuer früher als gedacht.

Unsere Fähre sollte um 9 Uhr ablegen, spätestens um 8:30 Uhr sollten wir vor Ort sein. Da wir noch ein gutes Stück fahren und auch parken mussten, wollten wir mit Puffer um sechs Uhr los. Das hatten wir am Vorabend an der Rezeption unseres Hotels auch kommuniziert, denn: Wir haben zum ersten Mal in einem Hotel übernachtet, bei dem das Auto geparkt wurde. Und zwar nicht als besonderer Service für die Gäste, sondern vor allem aus einem praktischen Grund: Der Parkplatz war, sagen wir mal, überschaubar groß, sodass jeder Zentimeter ausgenutzt wurde.

Beim Bezahlen am Vorabend haben wir deshalb nochmal betont: Wir müssen um sechs mit dem Auto los.

Am Morgen wurde uns auf die Frage, wo das Auto stehen würde, eine Box mit ca. 25 Schlüsseln gereicht. Einen Fiat-Schlüssel fanden wir und direkt an der Straße stand das Modell, das wir gemietet hatten. Wir schlossen auf, stiegen fast ein … und merkten dann: Das ist gar nicht unser Auto.
Woran wir das erkannt haben? Am Wasser.

Am Tag zuvor hatten wir nämlich ein Sixpack Wasser gekauft und im Auto stehen lassen. Die Suche ging weiter und wir wurden schließlich auch fündig – in der hintersten Ecke und davor fünf andere Autos. Das Schlüsselsuchen und Umrangieren dauerte gute 20 Minuten.

Zum Glück gehören wir (vor allem Christian) zu den Menschen, die bei allem, was mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu tun hat – egal ob Bus, Bahn, Flugzeug oder eben Fähre – lieber viel zu viel Zeit einplanen als fünf Minuten zu wenig. Das rettete uns. Zum Glück hatten wir einen Parkplatz vorab reserviert, denn am Anleger geht es wuselig zu. Viele Menschen, einige Autos, mehrere Boote und ein kräftiger Regenschauer dazu.

Auf dem Fluss und über den See geht es zu unserem Haus am See.

Das 5 Stinet Hotel mit 5 kleinen Häuschen am See

Leider müssen wir bis zum Check-In was warten, aber dann ist Chillen mit Panorama angesagt.

Später haben wir dann doch nochmal das Bedürfnis, uns ein wenig zu bewegen. Am hoteleigenen Steg leihen wir uns ein Kajak, um die Gegend auf dem Wasser ein wenig zu erkunden. Die Felslandschaft ist beeindruckend.

Allerdings wird der Ausflug anstrengender als erwartet. Der Wind frischt auf und beschert uns reichlich Gegenwind. Zudem kehren viele Motorboote nach Koman zurück. Deshalb müssen wir schauen, wie wir gut durch die Wellen kommen. Weiteres Chillen haben wir uns dann verdient.

Wenn die Tagesausflügler den See verlassen, kehrt hier große Ruhe ein.

Eigentlich war unser Plan, heute mit dem Kajak bis zum Shala River zu fahren. Da hier auf dem Komani-See aber doch ziemlich viel Bootsverkehr herrscht, haben wir uns dagegen entschieden. Stattdessen nehmen wir für die Strecke ein Motorboot und werden dann direkt vor Ort mit dem Kajak unterwegs sein.


Der Shala River liegt mitten in den Albanischen Alpen und mündet nach rund 35 Kilometern in den Komani-See.  Bekannt ist er vor allem für sein klares, türkisfarbenes Wasser und die steilen Berge und Felswände rundherum. Der besonders bekannte Abschnitt am Unterlauf ist nicht über eine Straße erreichbar, sondern wird in der Regel mit dem Boot über den Komani-See angesteuert.

Und ja: Der Shala River ist wirklich ein wunderschöner Ort. Allerdings ist es wie so oft bei besonders schönen Orten – wir sind natürlich nicht die Einzigen, die hierherkommen. Es sind eine Menge Touristen und entsprechend viele Ausflugsboote unterwegs.


Trotzdem: Der Shala River ist definitiv sehenswert. Und mit dem Kajak können wir vor Ort noch ein bisschen auf eigene Faust unterwegs sein und die Landschaft vom Wasser aus erkunden.

An einer Stelle war die Strömung ein bisschen stark, da mussten wir schieben 😅

Nach zwei Übernachtungen verbringen wir den Vormittag am See, bevor es mit der Fähre zurück nach Koman Stadt geht. Das nächste Ziel ist Theth, gar nicht so weit von hier, aber wir wollen ja nicht laufen, sondern mit dem Auto fahren. Da müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen.

Unsere Unterkunft, das Five Stinet, lag traumhaft direkt am Koman-Stausee und wird bis heute von der Familie Marku geführt. Die Geschichte der Familie ist eng mit dem See verbunden: Anfang der 1980er-Jahre entstand der Koman-Stausee durch den Bau des Staudamms; das Wasserkraftwerk wurde 1985 in Betrieb genommen.

Straßen und alte Verbindungswege versanken im Wasser und manche der abgelegenen Bergdörfer waren plötzlich nur noch per Boot erreichbar. Die Fähre wurde damit zu einem wichtigen Teil des täglichen Lebens. Die Familie Marku begann ebenfalls mit dem Transport auf dem Wasser. Was aus einer Notwendigkeit heraus entstand, entwickelte sich über die Jahre weiter: Aus dem Fährbetrieb wurden nach und nach Ausflüge und Übernachtungsmöglichkeiten – und schließlich das familiengeführte Five Stinet. Five Stinet heißt übersetzt übrigens 5 Jahreszeiten. Wer braucht dann schon das „4 Seasons“?

Wir warten heute um halb drei auf die Fähre, die dann jedoch vorbei fährt, weil sie voll ist. Wenn man Gast bei einer Fährfamilie ist, ist das natürlich kein Problem. Da wird ein Motor angeschmissen und los geht es.

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