Bei klarer Sicht verlassen wir unsere Unterkunft in der Nähe von Höfn. Heute sind die drei Gletscherzungen gut zu erkennen. Auf dem See der mittleren waren wir gestern Kayak-Fahren.

Auf dem Weg legten wir noch einen Stopp an der Landzunge Stokksnes ein. Die Region wird von den markanten Bergen des Vestrahorn-Massivs geprägt, die steil aus schwarzen Sandstränden und Dünenlandschaften aufragen. Durch die Lage zwischen Atlantikküste und den großen Gletschergebieten des Südostens entsteht hier eine wunderschöne raue Landschaft.


Bekannt ist Stokksnes außerdem für spektakuläre Spiegelfotos: Nach Regen oder bei ruhigem Wasser spiegeln sich die dunklen Berge (und auch Menschen) perfekt in den flachen Wasserflächen der Küste.


Auf der Halbinsel befindet sich außerdem ein nachgebautes Wikingerdorf, das ursprünglich als Filmset errichtet wurde und heute verlassen in der kargen Küstenlandschaft steht – fast so, als würde es schon seit Jahrhunderten dort oben am Meer existieren, wobei wir uns schon gefragt haben, wie man es vom Meer aus für einen Überfall entdeckt hätte.




Richtung Osten müssen wir zahlreiche Fjorde umrunden, einmal sogar Rentieren die Vorfahrt überlassen.
Bei all den Gletscherabenteuern sind glatt die Wasserfälle ein bisschen zu kurz gekommen. Deshalb machen wir uns heute auf den Weg zum Hengifoss.

Dieser zählt mit seinen rund 128 Metern zu den höchsten Wasserfällen Islands. Besonders auffällig sind die roten Tonschichten zwischen dem Basaltgestein – Spuren uralter Vulkanausbrüche, die dem Fels seine markanten Streifen verleihen.
In Island ist es oft so, dass es auf dem Weg zu einem bestimmten Wasserfall gleich mehrere Wasserfälle gibt, die immer unterschiedliche Namen haben. So ist es auch hier.
Die dunklen Basaltsäulen am Litlanesfoss auf dem Weg zum Hengifoss entstanden vor Millionen Jahren, als Lava langsam erkaltete und sich in regelmäßige Formen teilte – wie steinerne Orgelpfeifen am Rand des Wasserfalls.


Schon 1842 soll der Dichter und Naturforscher Jónas Hallgrímsson von dieser Landschaft so beeindruckt gewesen sein, dass er sie „Steinernes Schloss“ nannte.

Auf dem Abstieg haben wir den längsten See Islands im Blick. Der Legende nach lebt hier immer noch ein geheimnisvolles Ungeheuer – der Lagarfljótswurm, der bereits 1345 in alten Aufzeichnungen erwähnt wurde.

Anschließend wollen wir im nahen Vök Bad im Thermalwasser planschen.
Die Pools liegen wie schwebende Inseln im stillen Wasser des Urriðavatn-Sees. Während über den See ein ordentlich kalter Wind pfeift, genießen wir die Wärme der unterirdischen Thermalquellen.

In der Fjord-Region im Osten Islands kommen wir in einem Gästehaus mit Blick auf einen Fjord in Seydisfjordur unter.

Seyðisfjörður gilt als Künstlerort. Tatsächlich finden wir hier Street Art sowohl auf der Straße als auch an den Häusern.



Bei der Erkundung der näheren Umgebung entdecken wir ein ungewöhnliches Klangkunstwerk. Die weißen Betonkuppeln wirken auf den ersten Blick fast wie eine Mischung aus futuristischem Observatorium und verstecktem Trollhaus, aber es ist Kunst.

Tvísöngur, so der Name, wurde vom deutschen Künstler Lukas Kühne entworfen und besteht aus fünf miteinander verbundenen Kuppeln, die jeweils auf einem traditionellen isländischen Quintton basieren. Jede Kuppel hat ihre eigene Akustik, sodass selbst ein leises Summen oder ein paar gesungene Töne plötzlich den ganzen Raum erfüllen.

Zwischendurch gibt es natürlich auch den einen oder anderen Wasserfall zu sehen.

Der Bergrücken liegt in den Wolken, sodass die Atmosphäre mystisch ist.

Ab und an müssen wir immer mal wieder Schneefelder queren. Manchmal dienen diese auch als Brücken über kleine Bäche. Das Überqueren ist also auch ein Nervenkitzel. Hält sie oder hält sie nicht? Wir gehen vorsichtshalber einzeln und brechen zum Glück nicht ein.

„Komm nach Hause, wenn es dunkel wird.“ Der in Deutschland bekannte Spruch wird sicherlich von isländischen Mamas nicht gesagt. Tatsächlich erleben wir hier Mitte Mai bereits die sogenannten weißen Nächte. Das heißt: Es wird eigentlich gar nicht mehr richtig dunkel. Man kann durchaus um 22 Uhr zu einer Wanderung starten und kommt noch im Hellen zurück.

Wir machen uns am Abend auf den Weg zum Meer, um die Papageientaucher zu beobachten. Auf Islands steilen Küstenklippen und kleinen vorgelagerten Inseln brüten jedes Jahr Millionen Papageientaucher.


Sie graben ihre Nester in weiche Grasböden oder nutzen Felsspalten, in denen sie meist ein einziges Ei ausbrüten.

Besonders aktiv sind die charmanten Seevögel von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens zwischen Mai und August – dann kehren sie aus dem offenen Atlantik zurück, ziehen ihren Nachwuchs groß und lassen sich wunderbar beim Fliegen, Tauchen und Fischefangen beobachten.



No responses yet